Dienstag, 31. Januar 2012

Erste Nachforderungen trudeln ein

Der Winter meldet sich doch noch

Elbe Januar 2012

Nun schneit es seit gestern doch noch in vielen Teilen Deutschlands. Auch unsere Baustelle ist weiss gepudert und die Handwerker frieren bestimmt gewaltig. Aber die Winterbilder sind soooo schön!

Wir erhielten leider letzte Woche zwei unerfreuliche Briefe von der Denkmalschutzbehörde und dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Der Denkmalschutz ist mit den Fenstern unseres Neubaus nicht ganz einverstanden und hätte gerne für den Anbau eine andere Farbe. Unglücklicherweise hatten wir diesen kleinen Satz wegen all der anderen Probleme damals in unserer Baugenehmigung überlesen. Deshalb wird unser Architekt persönlich  auf dem Amt vorbeifahren und versuchen, die Sache zu klären. Jetzt hilft nur noch Daumen drücken!

Das Amt für Brand- und Katastrophenschutz prüft unseren Bauantrag des Altbaus im Hinblick auf die private Zimmervermietung auf Fluchtwege bei Feuer. Wir sind immer wieder erstaunt, dass Ämter oft Dinge bemängeln, die nicht den Tatsachen entsprechen.

Zum Beispiel behaupten sie, dass

  • keines der Fenster im 1. und 2. Dachgeschoss die für den 2. Rettungsweg erforderliche lichte Öffnung von mindestens 0,90 x 1,20 m besitzt.
  • durch die erhöhte Lage des Hauses die tragbaren Leitern der örtlichen Feuerwehr nicht aufgestellt werden könnten
  • das 2. Dachgeschoss mit den vorhandenen tragbaren Rettungsgeräten der Feuerwehr nicht erreicht werden könnte 
  • bei einem Brand im Erdgeschoss durch die offene Bauweise weder der erste noch der zweite Rettungsweg aus den Obergeschossen sichergestellt sei. 


noch mehr Fenster geht wohl kaum
Unsere Fenster im ersten Dachgeschoss haben aber alle die erforderliche Größe, was anhand der Pläne leicht zu überprüfen ist. Lediglich das kleine Giebelfenster der Räucherkammer im zweiten Dachgeschoss ist zu klein. Wir hätten dort eigentlich lieber ein größeres Fenster eingebaut, aber der Denkmalschutz hat dies abgelehnt. Da die Räucherkammer zu einem der Zimmer im ersten Dachgeschoss gehört und nur als zusätzlicher Schlafraum dient, haben wir schweren Herzens zugestimmt. Schade finden wir es aber immer noch, denn die Aussicht über den Deich von dort oben ist traumhaft.

Dass die Lage unseres Hauses beanstandet wird, können wir gar nicht verstehen.

Westansicht mit Blick zum Deich
Denn alle Häuser - z.B. auch die Ferienwohnungen des Nachbarhotels - stehen erhöht auf einer Warft und haben ihre Baugenehmigung erhalten. Wenn also die Feuerwehr dort löschen kann, wieso dann nicht bei uns? Außerdem hat das Hotel auch noch ein Reetdach und unser Bauernhaus wird die Ziegeleindeckung behalten. Desweiteren befinden sich unsere beiden Gästezimmer im ersten Dachgeschoss direkt an der Giebelseite zum Deich und sind über große Fenster zu erreichen. Das müssten die zuständigen Herren doch gesehen haben, wenn sie sich die Pläne angeschaut hätten?

Sollte es im Erdgeschoss unseres alten Hauses brennen, wäre der erste Fluchtweg über die Treppe tatsächlich nicht zu benutzen. Aber die anderen Häuser haben auch nur eine Treppe und Bewohner müssen sich bei Feuer über die Fenster retten. Und die Fenster der Ferienwohnung, in der wir meistens wohnen, wenn wir an unsere Baustelle fahren, sind definitiv kleiner als unsere. Zusätzlich erstaunt uns, dass die örtliche Feuerwehr anscheinend nicht über die vorgeschriebenen tragbaren Leitern nach DIN EN 1147 verfügt. Wir verstehen also mal wieder die Welt nicht mehr!

Wir haben manchmal das Gefühl, dass hier willkürlich und oft auch mit zweierlei Maßstäben bewertet wird. Wie war das noch mit meinem Traum? Ich wollte doch nur ein kleines Bed & Breakfast mit maximal 5 Zimmern eröffnen? Drei davon befinden sich im Erdgeschoss, haben Außentüren und die beiden Zimmer im Obergeschoss sind über eine große Treppe und einen geräumigen Vorraum zu erreichen. Dass wir nicht schon längst die Flinte ins Korn geworfen haben, wundert mich manchmal selber. Gemeinsam mit unserem Architekten haben wir uns so viele Gedanken gemacht, viele Pläne und Ideen verworfen und waren nun eigentlich der Meinung, eine sehr gute Lösung gefunden zu haben.


Nun kämpfen wir wieder an zwei Fronten!

Blick Richtung Straße

Sonntag, 22. Januar 2012

Ein Problem weniger

Die Geschichte vom Zaun



Tatort: alter Zaun
Am 18.01.12 lag ein Brief von der UWB (Untere Wasserbehörde Natur- und Gewässerschutz) in unserem Briefkasten, in dem uns mitgeteilt wurde, dass nach einer erneuten Prüfung mit dem Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (!) unser Zaun stehenbleiben könne, so lange wir sicherstellen, dass es im Falle eines Hochwassers möglich ist, Schadstellen im Bereich des 5 Meter Deichschutzstreifens zu erkennen. Das war mal eine richtig gute Nachricht und hier die Vorgeschichte dazu: 



Bevor wir unseren Bauantrag für das alte Haus eingereicht haben, fanden mit
Tatort: neuer Zaun
dem Denkmalschutz schon viele Vorgespräche statt. Wir hatten natürlich auch einige Termine vor Ort, den letzten am 15.09.11 mit Vertretern der Unteren
Denkmalschutzbehörde aus Perleberg und der Oberen Denkmalschutzbehörde aus Potsdam. Dabei haben diese entdeckt, dass Holzpfosten und einige Rollen Zaun auf unserem Grundstück herumlagen. Man teilte uns daraufhin mit, dass wir den alten Zaun ohne baurechtliche Erlaubnis von Seiten der Denkmalschutzbehörde nicht einfach durch einen neuen ersetzen dürfen. Es müsse schließlich sichergestellt sein, dass das ortstypische Erscheinungsbild erhalten bleibt.




Nachbarschaft
Wir haben dann am 18.09.11 dem Denkmalschutz in Perleberg schriftlich mitgeteilt, dass wir in Abstimmung mit unseren Nachbarn die alte Zaunanlage durch einen neuen, ortstypischen Staketenzaun ersetzen wollen. Alle Nachbarn haben sich übrigens sehr gewundert, da niemand in der ganzen Gegend bisher eine Erlaubnis vom Denkmalschutz für den Bau seines Zaunes eingeholt hatte. Da wir vom Amt nichts mehr hörten, ersetzten wir unseren alten durch einen neuen Zaun an gleicher Stelle und wie alle anderen in einer Flucht entlang des Deichfußes.


Spannend wurde es dann aber, als eine Deichbesichtigung stattfand und die Delegation einige Zeit vor unserem Grundstück verharrte. Niemand hat uns angesprochen und irgendwann fuhren alle weiter - aber wir wussten, da kommt was nach!

Am 24.11.11 bekamen wir tatsächlich Post von der UWB  aus Perleberg. Sie schrieben uns, dass Ihnen vom Landesamt für Umwelt, Geologie und Verbraucherschutz angezeigt wurde, dass auf unserem Grundstück ein neuer, massiver Zaun hergestellt wurde und wir dafür keine Baugenehmigung hätten. Zitat:
„Laut § 98 BbgWG (Brandenburgisches Wassergesetz) ist jede Nutzung von Hochwasserschutzanlagen, die deren Funktonsfähigkeit beeinträchtigen kann, wie das Errichten und Aufstellen von Anlagen (z.B. Zäunen) auf dem Deich und den beidseitigen 5 Meter-Deichschutzstreifen untersagt.“
Zur Klärung des Sachverhaltes sollten wir entweder am 07.oder 09. Dezember 2011 unbedingt sicherstellen, dass wir vor Ort wären um die Angelegenheit zu klären. Dass uns ein solcher Termin drei Tage kostet, da wir schon alleine für die An- und Abreise zwei Tage brauchen, interessiert dort natürlich niemanden.



Da wir aber vom 27.-29.11.11 wegen anderer Termine in der Gegend waren,

Zäune und Pflanzen am Deich
erklärten wir der Behörde schriftlich den tatsächlichen Sachverhalt mit Beweisfotos des alten Zaunes und aller Zäune der Nachbarschaft - die sie bei der Deichbesichtigung sicherlich übersehen hatten -  und schlugen eine
Ortsbesichtigung am 29.11.11 vor. Diesen Termin konnte von der Wasserbehörde leider niemand wahrnehmen, weshalb wir zwecks Klärung nach telefonischer Voranmeldung am 28.11.11 persönlich zur UWB gingen. Leider war trotz vorheriger telefonischer Zusage dann doch niemand der dafür Zuständigen für uns zu sprechen. Eine sehr nette Dame hörte sich den Sachverhalt nochmals an und nahm unsere Unterlagen zwecks Weiterleitung entgegen. 



Auch dieser Zaun steht direkt am Deichfuß
So haben wir uns diese Woche natürlich sehr gefreut, als dieser positive Bescheid bei uns ankam und wir damit unserem Traum wieder ein kleines Stückchen nähergekommen sind. Aber warum und wieso diese Aktion stattgefunden hat, die auf mindestens zwei Ämtern sicherlich einige Leute beschäftigt hat, verstehen wir immer noch nicht!

Sonntag, 15. Januar 2012

Entrümpelung

 Ohne Fleiss kein Preis!


Langsam aber sicher hat nun alles wieder seinen Rhythmus gefunden. Da ich vom Amt wegen unserer Anfrage nach Fristverlängerung nichts hörte, habe ich vorsichtshalber mal angerufen. Selbstverständlich sei unser Antrag akzeptiert, meinte die Dame freundlich, denn sonst hätten sie sich ja gemeldet. Nun verstehe ich auch, warum ich mich über Post vom Amt immer ärgern muss, denn hier gilt der Grundsatz: keine Nachricht ist eine gute Nachricht. Das muss man ja nur mal wissen.



Wohnzimmer vorher
Im alten Haus haben wir ja schon letztes Jahr mit Genehmigung vom Denkmalschutz mit den Auf- und Ausräumarbeiten begonnen und Stück für Stück die Bausünden aus DDR-Zeiten entfernt. Wir fingen erst einmal damit an, die PVC-Beläge, die sich teilweise in mehreren Lagen über den alten Dielenböden stapelten, rauszureißen. Aber auch die Dielen mussten entfernt werden, um zu sehen, was sich darunter befindet und auch, um die Fundamente begutachten zu können. Die alten Dielen werden natürlich separat gelagert, damit wir sie, wenn möglich, wieder in restauriertem Zustand einbauen können. 








und nachher
Es ist schon unglaublich, wie die alten Häuser mit einfachsten Mitteln gebaut wurden und dabei so viele
Jahrhunderte überdauert haben. Der Untergrund besteht fast nur aus Sand und die Fundamente liegen auf Steinfindlingen, die inzwischen natürlich an vielen Stellen abgesackt sind. Aber dennoch steht das Haus und ist für sein Alter in einem erstaunlich guten Zustand. Nach heutigen, modernen Erkenntnissen der Statik müsste es eigentlich schon lange eingestürzt sein! 


Eingang zum Bad
Auch die Wände haben wir von den vielen Tapetenschichten befreit und die alten Lehmwände zum Vorschein gebracht. Wir waren erstaunt, nirgendwo auf Feuchtigkeit oder Schimmel zu stoßen. Das liegt hauptsächlich daran, dass durch die Häuser früher überall der Wind durch Ritzen und Spalten pfiff. So konnte Feuchtigkeit, die einmal eindrang, auch wieder austreten und es konnte nichts faulen. Heute werden alle Häuser aus Umwelt- und Energiegründen hermetisch dicht gebaut und durch falsches Lüften entstehen dann in vielen Wohnungen krankmachende Schimmelpilze.
 

In der Scheune haben wir zunächst die Deckenbretter über der Diele und den Ställen entfernt und das alte Stroh nach draußen gebracht. Das ging natürlich nicht ohne Mundschutz und war eine ganz schöne Drecksarbeit. Danach konnten wir erstmalig alle Balken begutachten, ausmessen und exakte Zeichnungen und Grundrisse erstellen. Das war die Grundlage für die neuen Pläne, die nun beim Bauamt liegen und auf Genehmigung warten.

Selbstverständlich musste für den Denkmalschutz alles sorgfältig fotografiert und dokumentiert werden, damit alle Veränderungen nachvollziehbar bleiben. Eine solche Dokumentation ist aber auch für uns interessant. Denn ist das Haus erst einmal fertig, vergisst man schnell wie es vorher aussah und wieviel Arbeit und Schweiß man hineinstecken musste. Und es ist immer wieder spannend, sich langsam Schicht für Schicht vorzutasten und Altes zu entdecken.

Eingang zur Räucherkammer

Sonntag, 8. Januar 2012

Das neue Jahr hat begonnen

Es geht wieder los!


Die erste Woche 2012 verlief für uns ruhig und sogar im Briefkasten war keine einzige schlechte Nachricht. Was für ein guter Start! Morgen ist nun endlich der erste Tag auf unserer Baustelle, an der wieder richtig gearbeitet wird. Der Baukran wurde allerdings schon abgebaut, so dass Sturm Ulli und Andrea ihn nicht auf unser neues Haus pusten konnten. Jetzt geht es hoffentlich mit Riesenschritten weiter, damit wir so schnell wie möglich umziehen können.

Die nächsten zwei Wochen werden wir zusammen mit unserem Architekten die fehlenden Unterlagen für den Bauantrag unseres Bauernhauses zusammenstellen und hoffen, dass der Antrag dann bearbeitet werden kann. Eine Bestätigung der von uns gewünschten 4-wöchigen Fristverlängerung haben wir allerdings noch nicht erhalten.




Sonntag, 1. Januar 2012

Startschuss!

das sind wir!
Hallo liebe Freunde und Interessierte!

Der Startschuss ist gefallen! Für uns der Grund, diesen Blog zu eröffnen und Euch alle mitzunehmen und an der Entstehung unseres Lebenstraumes teilhaben zu lassen. Kurz vor Jahresende 2011 haben wir unseren Bauantrag für unser denkmalgeschütztes niedersächsisches Hallenhaus aus dem Jahre 1752 auf dem Bauamt eingereicht. Es liegen bereits anstrengende Jahre hinter uns und es war schon bis hierher kein leichter Weg. Aber wir sind immer noch guter Dinge, voller Elan und Enthusiasmus und hoffen einfach, dass unsere Träume und Vorstellungen nun Realität werden.
Wir freuen uns auf das kommende Jahr und hoffen, dass uns viele Menschen begleiten, uns Kommentare, Anregungen und Ideen posten, mit uns hoffen und uns die Daumen drücken.
Für Euch alle daher ein glückliches, erfolgreiches und frohes neues Jahr 2012!


Ahnung hatten wir keine - aber einen Traum!

Als wir vor vielen Jahren unseren Freunden und Verwandten zum ersten Mal von unserer Idee erzählten, aufs Land in ein altes Bauernhaus zu ziehen, hielten uns alle für ein wenig verrückt. Doch für uns war es nicht nur Gerede, wir meinten es ernst.

Meist gibt es ein einschneidendes Erlebnis, wenn man in seinem Leben etwas gravierend ändert. Und nicht anders war es bei uns. Wenn ein Familienmitglied krank wird, dann fragt man sich schon, wie lange man denn noch auf die Umsetzung seines Lebenstraumes warten will. Wir waren schon lange irgendwie unzufrieden mit der Art, wie unser Alltag verlief, ignorierten dieses Gefühl aber viele Jahre. Denn es ging uns doch gut und wir hatten alles, was wir uns wünschten: ein schönes Haus, zwei Autos, schöne Urlaube und Geldsorgen gab es auch keine. Aber in Gesprächen mit Freunden haben wir gemerkt, dass da irgendetwas nicht mehr stimmt, und vielen ging es ähnlich wie uns: wir alle hetzen durchs Leben, von einem Termin zum anderen, sind rund um die Uhr übers Handy zu erreichen und doch ist es schwieriger denn je, sich miteinander zu verabreden. Der Druck im Job wird immer größer und hinzu kommt die Angst, diesen trotz aller Anstrengungen zu verlieren. Ein Teufelskreis hat sich in Gang gesetzt und wir wollten ihn für uns unterbrechen.


So stand der Entschluss im Sommer 2007 fest, nun endlich Nägel mit Köpfen zu machen und unseren - eigentlich schon vor über 20 Jahren in England entstandenen - Traum von einem ruhigeren Leben auf dem Land, mit Tieren und viel Platz für Familie und Freunde zu verwirklichen. Und wenn nicht jetzt, wann dann!